Theaterstücke | Prosa | Gedichte | Bücher

Ich male mit Blut.
Ich male mit Honig.
Ich male mit Asche.
Schwarz-rot-gold.
Ich bin ein altes Kind
und kein Maler mehr.

 

 

Eine Katze sitzt vor meinem Bild.
Das Bild sieht die Katze an.
Die Katze sieht nicht das Bild an.
Die Katze geht.
Das Bild bleibt.

 

 

Ein Eichhörnchen
trennte sich
von seinem Hörnchen.
Das Kind findet das Hörnchen
und isst es einfach auf.
Das Eich war froh.
Nichts geht verloren.

 

 

Der liebe Gott
hatte gerade das Chamäleon erfunden.
Vorsicht! Vorsicht!
Alles ist noch frisch!
Und nicht so schnell!
Das Chamäleon stieg auf einen Baum.
Sehr langsam.
Der liebe Gott
war einen Moment
sehr stolz.

 

 

Kinderlied

 

Bäumchen,
wo sind deine Blättchen hin?
Fensterchen,
was seid ihr so schwarz?
Frauchen,
was ist dein Haar so weiß?
Äuglein,
was weint ihr so sehr?

 

 

Ein Vogelfuß ließ keine Spur
Ein Windstoß säte goldenes Laub
Da oben weit ein weißer Strich
Im wehen Blau zerging.

Im Herbst-Rauch formt sich
Kommendes Geschick
Und tiefe nie gesehne Bilder
Vom Glück mit dir
Stehn auf, erlöschen
Schon gekränkt vom Zweifel.

Nimm mir die Angst.
Lass die Gestalten blühen
in Purpur, tiefem Blau und Gold.
Der weiße Strich wird Segel,
der Wolkensaum gelobtes Land.

Hier stehn die Kuben,
Glas, Beton und Stahl
Und durch die Schluchten
Strömt das laute Leben.
Und dann, wenn aller Lärm erstirbt,
Ein letztes kaltes Licht
Und in dem kahlen Flur
Fegt noch die Türkenfrau
Den abgelebten Staub des Tages.
Allein wie ich.

Komm wieder, Leben,
Schenk mir die Farben deiner Liebe!
Ich habe Arme, Hände, einen Mund,
Dich zu umarmen, Dich zu küssen,
Dich zu preisen.

 

 

 

 

Kleine Gedichte

(Berlin 2011)